Oldenburger Appell

 

Oldenburger Appell

bezogen auf die Niedersächsische Bildungspolitik

Eine Initiative der GEW-Oldenburg-Stadt unterstützt durch den GEW-Bezirksverband Weser-Ems

 

Die GEW-Oldenburg-Stadt hält die gegenwärtige Situation in der Bildungslandschaft Niedersachsens immer noch für unbefriedigend.

Bezüglich der Bildungsentwicklung sind die Interdependenzen zwischen den unterschiedlichen Lernorten, Typen und Formen der einzelnen Einrichtungen konstituierend für ihre Strukturen. Wir wollen, dass folgende bildungspolitische Forderungen Einzug halten in die Arbeit der kommenden Landesregierung in Niedersachsen:

 

  1. Niedersachsen entwickelt Perspektiven für ein Bildungssystem, das sich zunehmend inklusiv aufstellt. Eine Abkehr vom stark gegliederten Schulsystem ist zukünftig dabei zwingend erforderlich. Wir brauchen ein Konzept für „gute Schule“, in dem Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie Schulen sich zu Lernorten weiterentwickeln können, in denen die Lernbedürfnisse der Schüler und Schülerinnen im Mittelpunkt stehen und in dem multiprofessionelle Teams gemeinsam arbeiten. Innerhalb dieses langen Entwicklungsprozesses ist es unerlässlich, bestehende Strukturen in Frage stellen zu können.
  2. Alle Bildungseinrichtungen (nicht nur Schulen) brauchen Freiräume, um sich weiterentwickeln zu können. Diese Freiräume beziehen sich auf die inhaltliche Arbeit und auf Unterrichts- und Schulorganisation. Innovative und engagierte Schulen benötigen ein unkompliziertes und zügiges Verfahren, um sich als Modellschule auf einen entsprechenden wissenschaftlich begleiteten und auszuwertenden Projektdurchlauf bewerben zu können. Die Ergebnisse werden zur Weiterentwicklung aller Schulen genutzt. Entsprechendes gilt selbstverständlich auch für Hochschulen.
  3. Die demokratische Partizipation aller Beteiligten am Geschehen der pädagogischen Arbeit ist unabdingbar. Personal- und Betriebsratsarbeit müssen gestärkt und unterstützt werden.
    Die Schule muss wieder als Erfahrungsort demokratischer Prozesse fungieren. Aus diesem Grunde muss sichergestellt werden, dass alle inhaltlichen, organisatorischen und pädagogischen Entscheidungen, die sich auf die Beschäftigten und die Schüler*innen auswirken, demokratisch von den Beteiligten entschieden werden. Die Schulverfassung muss hierfür geändert werden.
  4. Inklusion ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe in einem Entwicklungsprozess. Die Arbeit und Unterstützungsmaßnahmen in den Schulen sind dabei auszurichten auf ihre regionalen und spezifischen Bedingungen vor Ort. Ein bisher einheitlicher Verteilungsschlüssel in Bezug auf zusätzliche Förderstunden wird den unterschiedlichen Anforderungen der Inklusion nicht gerecht.
  5. Der Primarbereich legt die Basis für eine erfolgreiche Schullaufbahn und verdient daher eine höhere Wertschätzung hinsichtlich seines Bildungsauftrags, der sächlichen Ausstattung, der Stundenzuweisung und der Besoldung der Lehrkräfte.
  6. Auch vorschulische Bildung muss einen höheren Stellenwert erhalten: Die Ausbildung/Qualifikation der Erzieher und -Erzieherinnen muss angehoben werden auf international gängige Standards. Die Entlohnung dieser Berufsgruppe spiegelt nicht den sozialen Stellenwert wider. Angleichung ist erforderlich.
  7. Das Konzept „Gute Ganztagsschulen“ muss ausgebaut und als Lernort weiterentwickelt werden, in dem Wissenserwerb, soziale Kompetenzen, musische und manuelle Akzente und Zeit für einander im Schulalltag zum Tragen kommen können.
  8. Die Sprachförderung in den Schulen muss über den Besuch der Sprachlernklassen hinaus durch die Förderung der Schüler und Schülerinnen nichtdeutscher Herkunftssprache in Regelklassen so lange und intensiv durchgeführt werden, bis die Schüler und Schülerinnen sich in der deutschen Bildungssprache verständigen können.
  9. Die Lehrer- und Lehrerinnenausbildung ist neu zu ordnen: Die bisherigen Lehramtsstudiengänge sind zu einem (und nur zu einem) Studiengang mit dem Abschluss „Master of Education“ zusammenzuführen. Innerhalb dieses (neuen) Studienganges sind Schwerpunktsetzungen vorzunehmen, u. a. muss die Lehrer- und Lehrerinnenausbildung vom Schulform- zum Jahrgangsbezug umgestellt werden.
  10. Die Arbeitsbedingungen an den Hochschulen müssen stabil und zuverlässig gestaltet werden: Der wissenschaftliche Mittelbau muss verlässliche und attraktive Arbeits- und Berufsperspektiven in Lehre, Forschung und Entwicklung bekommen.

 

Als Kandidatinnen / Kandidaten aus Oldenburg-Stadt und dem Umfeld erklären wir, dass wir uns dafür einsetzen werden, im Falle einer Regierungsbeteiligung die oben stehenden Forderungen der GEW in die Koalitionsverhandlungen einzubringen und zu unterstützen.

Ulf Prange – SPD –

Susanne Menge – Bündnis 90/Die Grünen –

Axel Brammer -SPD –

Hanna Naber- SPD –

Holger Ansmann -SPD –

Karin Logemann -SPD –

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